Wahn

Im Psychiatrie-Lehrbuch von Huber (Schattauer Verlag) fand ich dieses Zitat. Ich mag es, weil er es vermag, eine komplexe Überlegung sprachlich „dicht“ auf den Punkt zu bringen:

Unterscheidet man im psychotischen Erleben Dasein und Sosein, (K. Schneider) und am Sosein wiederum Form (Seinsweise) und Inhalt (Thema), so sind „Dasein“ und „Form“ nicht verstehbar, wohl aber die Themen von Wahn und Halluzination beim einzelnen Patienten: Nihil est in intellectu, quod non antea in sensu fuerit.

 

(G. Huber: Psychiatrie, Schattauer Verlag, 5. A 1994) 

Hans Scholl

 Wie sehr rührt mich der letzte Brief des Hans Scholl an eine gute Freundin an. Hans Scholl schreibt ihn kurz vor seiner Festnahme, wissend, dass die GeStaPo ihm auf den Fersen ist und in Erwartung der baldigen Festnahme (und des drohenden Todesurteils!). Er hatte sich mit ganzer Kraft auf die Verbreitung der Flugblätter konzentriert und sich dabei auch körperlich nicht geschont.

Hier schreibt er:

"Irrwege bin ich schon viele gegangen, und ich weiß es, Abgründe tun sich auf, und tiefste Nacht umgibt mein suchendes Herz – aber ich stürze mich hinein. 

Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumière.“

 

 

Quelle: Hans Scholl/Sophie Scholl: Briefe und Aufzeichnungen, Fischer 1984