Konis Gedanken und Notizen http://koni.posterous.com "Gentlemen, this is no humbug" (*) posterous.com Mon, 15 Aug 2011 06:27:00 -0700 Oh Sprache ... ein Netz von Denkbarkeiten http://koni.posterous.com/oh-sprache-ein-netz-von-denkbarkeiten http://koni.posterous.com/oh-sprache-ein-netz-von-denkbarkeiten

Der Deutsche Sprachrat hatte vor einigen Jahren einen spielerischen und zwanglosen Wettbewerb um das schönste Deutsche Wort samt Begründung ausgeschrieben. Es macht Spaß, in den veröffentlichten Kandidaten zu blättern. 

In der Einleitung zu diesem Buch  ("Das schönste deutsche Wort", Hueber Verlag 2004) von Jutta Limbach finde ich den bemerkenswerten Satz:

Wörter sind nicht nur Element unserer Sprache, sie gleichen vielmehr einem Netz von Denkbarkeiten. Sprache ist – laut Wilhelm von Humboldt – auch Ausdruck der Verschiedenheit des Denkens, jede Sprache ist “auch eine Ansicht von der Welt”. Für jeden, der eine Fremdsprache erlernt, sind Wörter gleichsam Fenster in eine andere Welt.

Damit bringt Frau Limbach etwas auf den Punkt, was ich schon immer zu formulieren versuche, es aber noch nie so klar habe fassen können.

(Auch nett, im zweiten Vorwort eines Journalisten namens Müller, der Hinweis: "Der am häufigsten genannte Wort-Favorit war die Liebe, gefolgt von der Heimat und dem Glück und die Sehnsucht schaffte es als Vierte nur deshalb nicht aufs Treppchen, weil sie ausplauderte, warum die ersten Drei dort oben standen.")

Im Roman "Die geheime Geschichte" lässt Donna Tartt (auf deutsch Goldmann 1993) den ich-Erzähler über seinen Griechischlehrer sagen:

"Die Gedankengänge würden anders, sagte er, wenn sie in die Schranken einer starren und unvertrauten Sprache gezwungen werden. Bestimmte gewöhnliche Ideen seien plötzlich nicht mehr auszudrücken, andere, bis dahin nie geträumte, erwachten zum Leben und fänden wunderbaren neuen Ausdruck. Zwangsläufig, denke ich, habe ich Mühe, auf englisch exakt zu erklären, was er damit meinte. Ich kann nur sagen, ein incendium ist seiner Natur nach etwas ganz anderes als das feu, mit dem der Franzose seine Zigarette anzündet, und beide unterscheiden sich wiederum völlig von dem krassen und unmenschlichen pyr, das die Griechen kannten. Das pyr, das auf den Türmen Ilions loderte oder das tosend und brüllend an der trostlosen, windgepeitschten Küste vom Scheiterhaufen des Patroklos flammte."

 

Ich glaube, dass man, wenn man anfängt, in einer anderen Sprache zu denken, ein bisschen ein anderer Mensch wird.

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Wed, 27 Oct 2010 04:14:00 -0700 Dekoration im Profi-Grill http://koni.posterous.com/dekoration-im-profi-grill http://koni.posterous.com/dekoration-im-profi-grill

:-) Porzellan-Pommesschälchen!

Empfehlung übrigens! ( http://www.profi-grill.de/ )

Cimg0370

 

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Tue, 13 Apr 2010 11:46:00 -0700 Arbeitsbelastung der Krankenhausärzte http://koni.posterous.com/arbeitsbelastung-der-krankenhausarzten http://koni.posterous.com/arbeitsbelastung-der-krankenhausarzten

Das muß man sich mal in aller Ruhe vergegenwärtigen. Die Daten sind alarmierend.

Eigentlich stimmen sie traurig.

 

Siehe hier. (PDF)

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Thu, 10 Dec 2009 04:07:00 -0800 Testosteron macht Frauen sozial http://koni.posterous.com/testosteron-macht-frauen-sozial http://koni.posterous.com/testosteron-macht-frauen-sozial


Aus der Kategorie "Na das' ja'n Ding", in der Welt gefundens, siehe hier. Sozial, wohlgemerkt, nicht etwa aggressiv.

Merke: Die Natur ist anders, als wir denken, und komplexer, als wir glauben.

 

 

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Sat, 28 Nov 2009 02:32:00 -0800 Ambulante Anästhesie http://koni.posterous.com/ambulante-anasthesie http://koni.posterous.com/ambulante-anasthesie

Hier ein lesensweter Artikel (aus der Zeitschrift ArztRechtwww.arztrecht.org) über die z.T. unlösbar scheinenden Probleme der Ambulanten Anästhesie

 

Haftung beim Tod sedierter Patienten

Die Überwachungspflicht nach der Behandlung sedierter Patienten wurde im Urteil des Bundesgerichtshofs vom 8.4.2003 verschärft.

Der Artikel macht pragmatische Vorschläge für die Umsetzung des BGH-Urteils.

Chefarzt Prof. Dr. med. U. Schulte-Sasse, Heilbronn

und Rechtsanwalt Dr. jur. B. Debong, Karlsruhe (ArztR 5/2005)

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Sat, 28 Nov 2009 01:50:00 -0800 Anästhesist vor Gericht http://koni.posterous.com/anasthesist-vor-gericht-tod-beim-zahnarzt-pro http://koni.posterous.com/anasthesist-vor-gericht-tod-beim-zahnarzt-pro

In der RP fand ich unten zitierten Artikel.

Tragisch oder fahrlässig ? Da wüßte ich gerne mehr.

Anästhesist vor Gericht: Tod beim Zahnarzt: Prozess beginnt | RP ONLINE

Düsseldorf (RP) Für Dagmar Schlag (51) wurde ein Alptraum zur Wirklichkeit: Als sie ihre Tochter Daniela (28) vor zweieinhalb Jahren zum Zahnarzt begleitete, ist Daniela während der Vollnarkose gestorben. Jetzt muss der damalige Anästhesist (63) wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank beim Amtsgericht.

Mutter und Tochter hatten im Wartezimmer noch miteinander herumgealbert. Dann war die 28-jährige Daniela zur Zahnwurzelbehandlung aufgerufen worden, ihre Mutter Dagmar Schlag (51) hatte zu Zeitschriften gegriffen, um die Wartezeit zu überbrücken. Es war die letzte Begegnung zwischen Mutter und Tochter.

Während Dagmar Schlag nämlich arglos in Magazinen blätterte, ist ihre Tochter Daniela unter Vollnarkose im Behandlungszimmer einer Belegklinik an der Grafenberger Allee gestorben. Das war vor rund zweieinhalb Jahren. Jetzt muss der damalige Narkose-Arzt (63) wegen fahrlässiger Tötung vor das Amtsgericht.

Die Anklage lastet dem bulgarischen Mediziner massive Versäumnisse bei Vorbereitung und Durchführung der Narkose an sowie die sträfliche Missachtung maßgeblicher Leitlinien.

Diese Zahnpatientin hätte als Risikopatientin angesehen werden müssen: Die 28-jährige Frau war übergewichtig, war lange Zeit drogensüchtig gewesen, war zuletzt im Methadon-Programm - und sie hatte in Fragebögen vor dem geplanten Eingriff auch angekreuzt, dass bei ihr schon früher Probleme im Zusammenhang mit einer Narkose aufgetreten waren.

Voraussetzungen ausreichend?

Doch auf Schwierigkeiten bei der Vollnarkose war der verantwortliche Anästhesist offenbar nicht eingestellt. Mehr noch: Die Anklage kommt zum Ergebnis, dass der 63-Jährige weder die Kenntnis noch die praktischen Fähigkeiten für einen solchen Eingriff besaß. Und dass im angemieteten Behandlungsraum jener Belegklinik sogar die technische Ausstattung für einen solchen Eingriff fehlte.

 

Als der Anästhesist der 28-Jährigen damals trotzdem (ab 10.35 Uhr) die Vollnarkose verabreichte und es Probleme mit der Beatmung der Frau gab, ließ er die Patientin auch nicht etwa aufwachen, bis ihre Eigen-Atmung wieder einsetzte ­ sondern hat ihr (laut Ermittlungen) die bereits gespritzten Narkosemittel noch ein zweites Mal verabreicht.

Die Folgen waren laut medizinischem Gutachten verheerend: Bei Daniela kam es durch Sauerstoffmangel zum Kreislaufstillstand. Aber auch die Leitlinien zur Re-Animation (die ein EKG vorsehen, kontinuierliche Herzmassage sowie hochdosierte Adrenalinabgabe) habe der 63-jährige Narkosearzt völlig außer Acht gelassen. Trotzdem wurde damals erst um 12.21 Uhr der Notarzt alarmiert, also fast zwei Stunden nach der ersten Narkose-Dosis. Als der Notfallmediziner eintraf, war die Patientin schon nicht mehr zu retten.

Die 28-Jährige starb um 12.50 Uhr, ihr Herz und ihr Gehirn waren bis dahin bereits anderthalb Stunden ohne Sauerstoffversorgung geblieben. Vergeblich hat Opferanwalt Georg Heusler, der Danielas Mutter vertritt, seither von dem Narkosearzt eine Stellungnahme angefordert. „Aber auf eine Entschuldigung wartet die Mutter bis heute vergebens”, sagt der Jurist.

Im Strafprozess vor einer Amtsrichterin will der Anwalt jetzt auch ein Schmerzensgeld für die Angehörigen durchsetzen. „Die Höhe ist nicht entscheidend”, so Heusler. „Der Familie geht es nur darum, dass sich solche untragbaren Zustände nicht wiederholen!” Ob die Mutter nervlich überhaupt fähig sein wird, den Prozess gegen den Anästhesisten als Nebenklägerin durchzustehen, ist ungewiss.

Schon Formulierungen aus der Anklage, wie „plötzliche Komplikationen” oder „nicht natürliche Todesursache” lassen der 51-Jährigen auch heute noch die Tränen in die Augen steigen. Als Verhandlungstermin um den tragischen Tod ihrer Tochter hat das Amtsgericht jetzt den 4.Dezember vorgesehen, ab 13 Uhr, Saal A 153.

Quelle: RP

Vgl. auch hier (NRZ - DerWesten): Luftröhrenenge, Zungenwucherung, Übergewicht, Vorgeschichte

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Fri, 27 Nov 2009 13:17:00 -0800 Can't stop http://koni.posterous.com/cant-stop-44 http://koni.posterous.com/cant-stop-44

 

„Nach müd kommt blöd“

Im Laufe nicht enden wollender Dienste kommt es vor, dass ich mich in einer Art Manie wiederfinde, in einer gehobenen Stimmung, in der ich mich als gleichsam unverletzlich und hochmotiviert erfahre. In der ich mich als Teil eines endlosen, unaufhörlich und unerbittlich weiterstrebenden Prozesses wiederfinde, der über die Dynamik einer unendlich übermächtigen Maschine verfügt und dem man sich nur in einer Mischung aus trunkener Faszination und Resignation ergeben kann. Der aber auch meine Kraft aufs Äußerste fordert. In der ich  aber auch mehr als sonst das Gefühl äußerster Befriedigung erfahre, da ich eben der Handelnde bin, der, unaufhörlich, aber immerhin obenauf und  „auf Höhe“ mitschwimmt in diesem Wahnsinn, der eben nicht untergehr, der eben besteht.

 

All das keimt in mir auf, wenn ich „Can’t stop“  der Red Hot Chili Peppers höre (Hier z.B. Live at slane) . Es treibt unerbittlich voran. Und es hat unbändige Energie.

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Fri, 27 Nov 2009 12:45:00 -0800 Untitled http://koni.posterous.com/7995532 http://koni.posterous.com/7995532

Valleyfog

Blick ins Tal, frühmorgens (Lechtal)

 

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Fri, 27 Nov 2009 12:36:00 -0800 Anonymous http://koni.posterous.com/anonymous-116 http://koni.posterous.com/anonymous-116

Anonymous

 

(c) TK

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Sat, 21 Nov 2009 23:43:00 -0800 Wahn http://koni.posterous.com/wahn-tags-zitate http://koni.posterous.com/wahn-tags-zitate

Im Psychiatrie-Lehrbuch von Huber (Schattauer Verlag) fand ich dieses Zitat. Ich mag es, weil er es vermag, eine komplexe Überlegung sprachlich „dicht“ auf den Punkt zu bringen:

Unterscheidet man im psychotischen Erleben Dasein und Sosein, (K. Schneider) und am Sosein wiederum Form (Seinsweise) und Inhalt (Thema), so sind „Dasein“ und „Form“ nicht verstehbar, wohl aber die Themen von Wahn und Halluzination beim einzelnen Patienten: Nihil est in intellectu, quod non antea in sensu fuerit.

 

(G. Huber: Psychiatrie, Schattauer Verlag, 5. A 1994) 

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Wed, 18 Nov 2009 16:24:00 -0800 Hans Scholl http://koni.posterous.com/hans-scholl http://koni.posterous.com/hans-scholl

 Wie sehr rührt mich der letzte Brief des Hans Scholl an eine gute Freundin an. Hans Scholl schreibt ihn kurz vor seiner Festnahme, wissend, dass die GeStaPo ihm auf den Fersen ist und in Erwartung der baldigen Festnahme (und des drohenden Todesurteils!). Er hatte sich mit ganzer Kraft auf die Verbreitung der Flugblätter konzentriert und sich dabei auch körperlich nicht geschont.

Hier schreibt er:

"Irrwege bin ich schon viele gegangen, und ich weiß es, Abgründe tun sich auf, und tiefste Nacht umgibt mein suchendes Herz – aber ich stürze mich hinein. 

Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumière.“

 

 

Quelle: Hans Scholl/Sophie Scholl: Briefe und Aufzeichnungen, Fischer 1984

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Wed, 18 Nov 2009 11:14:49 -0800 Good news http://koni.posterous.com/good-news-281 http://koni.posterous.com/good-news-281

Heute in der Zeitung ein Artikel über eine namentlich genannte Frau, die vor drei Jahren einen schweren Fahrradsturz und schwerste Hirnverletzungen erlitten hatte. Sie habe sich gut erholt, und ein "zweites Leben" begonnen. Sie könne Bücher lesen, Auto fahren, sich sozial engagieren.

Wie erfreulich. Sie kennt mich nicht, aber ich kenne sie: Ich war ihr Notarzt. Ich hatte damals das Gefühl, einen zukünftigen Pflegefall zu therapieren.

 

Zu hören, dass es anders kam, tut gut und motiviert.

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Tue, 17 Nov 2009 12:26:00 -0800 Stilbruch http://koni.posterous.com/stilbruch http://koni.posterous.com/stilbruch

Wie unerreicht tiefsinnig ist der Text des Stilbruch-Liedes „Zeig mir die Nacht“?

 

Zeig mir den Tod - ist er Erlösung oder ist er Qual?
Zeig mir den Tod - ist er Höhe oder tiefstes Tal?

Band | Text

> medicus ante faciem mortis homo ante faciem dei

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Tue, 17 Nov 2009 11:53:03 -0800 Tagebuch 2005 - "Ooh, life is bigger" http://koni.posterous.com/tagebuch-2005-ooh-life-is-bigger http://koni.posterous.com/tagebuch-2005-ooh-life-is-bigger

Ich nehme mich am Rande der Gesellschaft wahr, wie ich, mit verschobenem Weltbild, nach der Spätschicht, in der ich drei Totensscheine unterschrieben, das unumkehrbare Ende dreier Lebenswege bezeugt hatte, nachts um drei bei McDonalds sitze, ruhelos und bleiern müde, umgeben bin vom angeheiterten Partyvolk, das, selbst wenn es sich die Mühe machte, verstehen zu wollen, doch nicht verstehen kann, welche Welten da aufeinander prallen.

Oder morgens, nach der Nachtschicht, bin ich im Halbschlaf in eine Bäckerei geschlichen, unrasiert, mit ungewaschenen Haaren.

An der Theke stehen die frischgeduschten, frischrasierten beanzugten Menschen Schlange, um ihr Frühstück für den Arbeitstag zu besorgen. Ich drängele mich vor und werde schief angesehen. Man denkt, ich komme von einer Fete oder ähnlichem und räuspert sich.

Es ist mir egal. Ich habe Hunger und will ins Bett. Keiner weiß, keiner muß wissen, was ich gerade hinter mir habe. Keiner würde mich verstehen, aber alle würden betroffen schweigen. 

Ein Kollege hat dieselbe Nummer mal mit einer Flasche Bier unter dem Arm durchgezogen. Morgens. Und es genossen. Er hat mir dasselbe Gefühl beschrieben. Die Leute wissen nicht. Sie urteilen trotzdem. Spießertum. Und, gleichermaßen, unerträgliche ärztliche Arroganz.

Was hätten die Leute wohl gesagt, hätten sie geahnt, dass er habilitiert ist?

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Tue, 17 Nov 2009 11:25:00 -0800 Tagebuch 2002 - sectio statim http://koni.posterous.com/tagebuch-2002-0 http://koni.posterous.com/tagebuch-2002-0
 

nicht dass er nicht etwas
ausgesprochen banales an sich gehabt haette
der nabelschnurknoten
ein knoten halt
für das kind jedoch schlicht
das ende.

man schnitt es blau aus dem
leib seiner mutter
es ueberlebte nicht.

Gott
dieser knoten ein einziges argument gegen Dich

 

(c)TK 2002

 

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Tue, 17 Nov 2009 11:20:00 -0800 Tagebuch 2001 - Intensiv, nachts http://koni.posterous.com/tagebuch-2001-intensiv-nachts http://koni.posterous.com/tagebuch-2001-intensiv-nachts

 
feather of lead, bright smoke, cold fire, sick health*

nein nicht der umstand
daß sie nun hirntot vor mir liegt
- eine frau uebrigens in der bluete ihrer jugend -
ich bin ueberzeugt, dass sie nicht leidet

die traenen sind es
die traenen in den augen ihrer angehoerigen
ihres freundes der sich in verzweifelter zaertlichkeit an sie die tote schmiegt
sie gehen mir durchs herz

die liebe also mal wieder

warum macht sie uns das leben schwer?

 

 (c)TK 2001

 

*(Shakepeare's Romeo über die Liebe)

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Tue, 17 Nov 2009 11:11:00 -0800 Tagebuch 1993 - postmortem http://koni.posterous.com/tagebuch-1993-postmortem http://koni.posterous.com/tagebuch-1993-postmortem

Ein-Schnitt

Für M. S.

Ein Schnitt vom Hals bis kurz über die Schambehaarung. Um die Ränder
besser spreizen zu können, wird der Schnitt quer von Schulter zu Schulter
erweitert, dann die Rippen mit einer Art Baumschere durchtrennt und mit
dem Brustbein abgehoben, spinnenförmig, wie irgendein Viech mit
vierundzwanzig Beinen. Auch der Kopf wird geöffnet. Erst skalpiert, die
Haut nach vorne übers Gesicht, nach hinten über das Hinterhaupt gezogen.
Dann wird ein kreisförmiger Schnitt gesägt, mit einer kleinen, sirrenden
Kreissäge.

Ein Schauer läuft mir, schon wieder, über den Rücken. Eine
Wolke unbeschreiblichen, staubigen und leicht verbrannten Geruchs, durch
die heiße Zerstäubung der Schädelknochen, durchzieht den engen Raum. Ich
verspüre ein Kratzen im Hals, das auch durch mein Räuspern nicht
verschwinden will.

Nachdem ein Schlitz gesägt ist -- vom Hinterhaupt linksherum
bis zur Stirn und rechtsherum wieder bis zum Hinterhaupt -- wird die
Schädeldecke mit einer Art Schraubenzieher abgehoben,
wie man Farbdosen öffnet, abgedreht.

Blut entleert sich. Schließlich fällt uns das Hirn in seinen Häuten
entgegen. Es wird in einem Eimer, der mit Formaldehydlösung gefüllt ist,
aufgehängt, an einem Faden, Unterseite zuoberst, freischwebend, es soll
sich nicht verformen, wenn es sich verhärtet.

So liegt er also vor uns, der Mensch, seht den Menschen, Ecce homo! (1) Ohne
Stirn, ohne Scheitel, ein halber Kopf. Erschreckend leer.

Ein Gedanke geht mir durch den Kopf: Was kann uns jetzt noch grausen? Wie
lächerlich erscheinen mir die ausgeklügelten Filmszenen, angesichts der
leibhaftigen, partiell dekapitierten, nach oben blutig klaffenden Leiche?

Sie ist entsetzlich entstellt.
Sie war jung.
Sie war schön.

Ihr langes, blondes, jetzt blutdurchtränktes Haar schlottert um den Kopf herum, der so
unerträglich willenlos in den Händen des nun zunähenden Sektionsgehilfen
hin- und herfällt.

Was nun folgt: Die Evisceratio, die "Enteingeweidung", die Organentnahme.
Sie werden nacheinander herausgenommen, Zunge, Kehlkopf, Lunge, Herz,
Leber, Magen, Niere, Aorta, Blase, Gebärmutter, Eierstöcke. Auch der Darm
wird in einem eigenen Eimer abgelegt. Es stinkt bestialisch. Die Nieren
urinös (wie auch anders?)

Eine Darmoperation? Dann müssen doch noch Nähte nachweisbar sein. Und wir
suchen in der Scheiße nach den kleinen, blauen Fadenresten. Die Stecknadel
im Heuhaufen. Grün, ja grün ist die schmierige Substanz zwischen unseren
Fingern und von Ekel geschüttelt, die zerfallenden, fauligen Ergebnisse
unserer stinkenden Hinfälligkeit in den Händen, möchte ich in einem Anflug
von Trotz mein Glaubensbekenntnis dröhnend hinausschreien, daß
alle es hören und jeder Winkel dieser Pflege- und Sterbefabrik
erbebt: Tod, wo ist dein Stachel? Tod, wo ist dein Sieg?
Verschlungen ist der Tod vom Sieg
(2)

Doch der Kloß im Hals und meine verkrampft-verbissen zusammengepressten
Zähne, deren Gewalt ich jetzt erst gewahr werde, zwingen mich, stattdessen
stumm in mich hineinzusummen:

Alles Fleisch es ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen
wie des Grases Blumen: Das Gras ist verdorret
und die Blume, ja verflixt, und die Blume abgefallen
(3),

so wahrhaftig, so greifbar, so wirklich wie noch nie.

Meine Unfähigkeit, auch nur zu lächeln, treibt mir die Tränen in die
Augen. Ich beuge mich vor, dem Rücken meiner Kommilitonin zugewandt
und ziehe den wohltuenden Duft ihrer frischgewaschenen Haare tief in mich hinein.

Sie ist schön. Sie ist jung.

 

 

(1) Joh 19, 5.2
(2) 1Kor 15, 54+55
(3) 1Petr 1, 25

(c)TK 1993
 

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Tue, 17 Nov 2009 11:06:00 -0800 III Nacht: "wenn Du begreifst, ist es nicht Gott" http://koni.posterous.com/iii-nacht-wenn-du-begreifst-ist-es-nicht-gott http://koni.posterous.com/iii-nacht-wenn-du-begreifst-ist-es-nicht-gott


quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te 
...
quid es ergo, deus meus?
...
Quis mihi dabit adquiescere in te? quis dabit mihi, ut venias in cor meum et inebries illud, ut obliviescar mala mea et unum bonum meum amplectar, te? quid mihi es?
...
quid enim est quod volo dicere, domine, nisi quia nescio, unde venerim huc, in istam dico vitam mortalem an mortalem vitalem? nescio. ..."

(Aurelius Augustinus)

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Tue, 17 Nov 2009 10:59:00 -0800 II Morgendämmerung: turn our golden faces into the sun http://koni.posterous.com/morgendammerung-turn-our-golden-faces-into-th http://koni.posterous.com/morgendammerung-turn-our-golden-faces-into-th

das war ein wahnsinnsdienst bis auf die knochen 
bis an die grenze dessen was man leisten kann
doch jetzt ist er vorbei und wir sitzen übermüdet draussen auf der terrasse des nobelhotels
es ist warm ein strahlend sonniger tag
wir gönnen uns den dekadenten luxus eines fast schon unanständig üppigen frühstücksbuffets
mit jenem unrasiertem gefühl das sich nach einer durchgearbeiteten nacht einstellt wie ein kater nach einer ausgiebigen party
hinzu kommt vor uns ein martini (on the rocks) und je ein weizen
martini im winter (gentle sweetness of vermouth) campari im sommer (bitter for bitter souls, mors sana in campari cola)
aber bitte immer on the rocks
"das leben ist doch garnicht so schlecht", sage ich zu meinem freund und kollegen der mir gegnüber sitzt
er pflichtet mir augenzwinkernd bei
und murmelt etwas über die optimale lust-frust-ratio unseres speziellen faches

und aus dem radio die wise guys:

"es ist SOMMER - egal ob man schwitzt oder friert
SOMMER ist was in deinem kopf passiert"

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Tue, 17 Nov 2009 10:37:00 -0800 I Tag: Ars longa - vita brevis http://koni.posterous.com/ars-longa-vita-brevis http://koni.posterous.com/ars-longa-vita-brevis

ARS LONGA, VITA BREVIS


Die Kunst ist lang, das Leben ist kurz.
Das Urteil ist schwierig,
Der günstige Augenblick rasch vorüber.
Der Versuch ist zweifelhaft.

 


ho bios brachys,
he de techne makre, 
ho de kairos oxys, 
he de peira sphalere, 
he de krisis chalepe.

 

Hippokrates

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